Hans Siersleben - St. Georg, Stuttgart

St. Georg
Stuttgart

Architekt: Hugo Schlösser
Bauzeit: 1929 – 1930

“Den Bedürfnissen der modernen Großstadtseelsorge entsprechend erstand hier erstmals im süddeutschen Raum ein Gemeindezentrum aus einem Guß, ein monumentales Gesamtkunstwerk, das dem Anspruch der neuen Sachlichkeit Rechnung trug und durchaus im Zusammenklang mit der Weißenhofsiedlung (erbaut 1927) und dem Hauptbahnhof (erbaut 1911-1928 von Paul Bonatz) gesehen werden muss.” (Quelle: Katholische Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Mitte)

Nach den Kriegszerstörungen im Oktober 1944 wurde dieses herausragende und richtungsweisende Kirchengebäude rasch wieder aufgebaut. Allerdings mangelte es damals an ausreichend Kupfer, wie kolportiert wird (oder an architektonischem Feingefühl?): Das ursprünglich flache, kupfergedeckte Dach des Kirchenschiffes jedenfalls wurde als steiles Ziegeldach ausgeführt. Der Bau an sich, das essentiell sachlich-monumentale, erfährt dadurch geradezu eine Kränkung und bekommt etwas Verschrobenes,  das vorher nicht vorhanden war. Wäre es nicht an der Zeit, den Schaden zu korrigieren?

Die “klare Nüchternheit und funktionale Sachlichkeit” der Anlage (Kath. Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Mitte) wird zudem durch eine Anpflanzung von Bäumen konterkariert, die die Sicht auf das Kirchenschiff straßenseits versperrt. Ich wäre gespannt zu erfahren, ob die ursprüngliche Planung des Architekten hier Bäume vorgesehen hatte. Über Hinweise hierzu oder auf entsprechendes Bildmaterial freue ich mich.

Worin besteht nochmal das Tätigkeitsfeld der “Unteren Denkmalschutzbehörde”?

Die Situation an der Heilbronner Straße, an der sich die Kirche befindet,  ist von schwer zu übertreffender Unwirtlichkeit und Ortlosigkeit. Ein Mehr an Stadtbauversagen ist selbst in Stuttgart, wo in dieser Hinsicht viel Elend ist, kaum zu finden. “Machen die das eigentlich mit Absicht?”, eine Frage, die mir manchmal durch den Kopf geht. Es ist in der Tat schade, dass diese monumentale und dennoch elegante Anlage, die ein kleines Wunder ist, wenn man genau hinschaut, nicht umgeben ist von Gleichem.